Nachruf auf Sigrid Geier, verstorben im 1. Quartal 2026


 

Nachrauf auf Sigrid Eleonora Geier
verstorben im 1. Quartal 2026

Liebe Trauergemeinde,
liebe Familie, liebe Freundinnen und Freunde,

heute sind wir hier in Stephanskirchen zusammengekommen, um Abschied zu nehmen von Sigrid Eleonora Geier – von unserer Oma, von einem Menschen, der für viele von uns ein Stück Heimat war. Und auch wenn Abschied weh tut, so ist ein Requiem zugleich ein Moment der Dankbarkeit: Wir dürfen ihr Leben würdigen, uns erinnern, und das, was bleibt, in unser Herz nehmen.

Sigrid wurde am 28. März 1935 in Bad Griesbach geboren – als Tochter von Max Kraus aus Bad Griesbach und Nora Kraus, geborene Blättermann, aus Nymphenburg in München. Schon in diesen Wurzeln steckt etwas von dem, was Sigrid ausgemacht hat: Bodenständigkeit und Klarheit – und zugleich eine feine, wache Art, sich für Menschen und das Leben zu interessieren.

Ihr Weg führte sie nach Passau an die Klosterschule Niedernburg, geführt von der Congregatio Jesu. Wer eine Klosterschule kennt, ahnt: Das ist mehr als Unterricht und Noten. Es ist ein Ort, an dem Bildung und Charakterbildung zusammengehören – an dem man lernt, sich selbst ernst zu nehmen, aber auch den anderen; an dem Verlässlichkeit zählt, Pünktlichkeit, Respekt, ein klarer Umgang miteinander. Und zugleich ist da etwas, das man nicht messen kann: ein Sinn für das, was trägt – für Gewissen, für Verantwortung, für Bildung, für Humanität, für Werte, für das leise Gute im Alltag.

Viele von uns spüren: Diese Jahre haben Sigrid geprägt. Nicht, weil sie später oft darüber gesprochen hätte – sondern weil man es an ihr gemerkt hat. In ihr war etwas Aufrechtes. Nicht laut. Nicht geschniegelt. Aber innerlich klar – wie jemand, der gelernt hat, dass Haltung sich in kleinen Dingen zeigt: in der Art, wie man zuhört; in dem Versprechen, das man einhält; im Blick dafür, wenn jemand Hilfe braucht. Vielleicht kommt auch daher diese stille Stärke, die Sigrid auszeichnete: das ruhige Vertrauen, dass man Schwierigkeiten begegnen kann, ohne hart zu werden – und dass man Verantwortung tragen und für Humanität eintreten kann, ohne sich selbst wichtig zu nehmen.

Später wurde sie Bankkauffrau und arbeitete bei der Sparkasse Bad Griesbach. Zahlen, Ordnung, Genauigkeit – das lag ihr. Aber wichtiger als jede Zahl war ihr immer der Mensch dahinter. Vertrauen war für sie nichts Abstraktes, sondern etwas, das man lebt: verlässlich, ehrlich, gewissenhaft – so, dass andere sich sicher fühlen.

1959 heiratete sie Alfred Geier aus Eging. Mit dieser Heirat begann ein Lebensabschnitt, der so viel von dem enthält, was Familie bedeutet: gemeinsam aufbauen, zusammenhalten, durch gute und schwere Zeiten gehen.

1959 und 1960 zog das junge Paar nach Schlossberg. 1962 folgte die Kultivierung von Haidholzen und der Umzug dorthin. Solche Sätze klingen fast sachlich – doch dahinter steckt Arbeit, Mut und das große Können, aus einem Ort ein Zuhause zu machen. Stephanskirchen wurde für Sigrid Heimat – über rund 60 Jahre lang.

Am 24. April 1961 wurde ihr Sohn Stefan Alfred Geier geboren. Und damit begann für Sigrid diese Aufgabe, die man nicht „macht“, sondern die man ist: Mutter sein. Eine Mutter, die trägt, die da ist, die Alltag zusammenhält – oft im Hintergrund, aber mit einer Kraft, die alles zusammenbindet.

Zum Leben gehörten auch schwere Zeiten. 1964 erkrankte Alfred Geier schwer. Wer sich vorstellt, was das bedeutet, ahnt, wie viel Sigrid in dieser Zeit getragen hat: Sorge, Verantwortung, Alltag, Mut. Es gibt Menschen, die werden in solchen Momenten bitter. Sigrid blieb standhaft – praktisch, klar und dabei menschlich.

Sigrid hatte eine besondere Gabe, Gemeinschaft zu schaffen. Viele verbinden sie mit dem Tennisverein: Sie hat den Tennisverein Schlossberg Stephanskirchen mitgegründet und aufgebaut, eine Damenmannschaft im BTV mit aufgebaut – und sie war nicht nur dabei, sondern erfolgreich: mehrfache Einzel- und Doppelmeisterin. Wer sie auf dem Platz erlebt hat, konnte sehen: Da war Energie, Konzentration und ein fairer, anständiger Geist.

Ebenso wichtig war ihr der Stammtisch – ein Ort der Verbundenheit. Und wer zum Geburtstag ein paar Zeilen von Sigrid bekommen hat, der weiß: Sie konnte in Worte fassen, was andere oft nur fühlen. Geburtstagsgedichte – das klingt klein. Aber es ist ein Geschenk: Jemand sieht dich, macht sich Gedanken, findet für dich die richtigen Worte.

Sigrid hat das Leben nicht eng gemacht, sondern weit. Sie liebte Reisen, besonders Italien und die Kultur Italiens. Sie ging bergsteigen, fuhr Ski, später genoss sie auch das Zusammensein im Golfclub Ising. Es ging ihr dabei nie nur um das Tun, sondern um das Erleben: um Natur, Schönheit, Begegnung.

Viele erinnern sich an eine ganz eigene Seite von ihr: Musik. Sigrid spielte Klavier – und bis zuletzt gehörte Musik zu ihrem Tag. Sie hörte täglich Bayern 2 und Bayern 4 Klassik. Und sie hatte ihre festen Zeiten für Nachrichten und Zeitgeschehen – als ob sie sagen wollte: „Ich will verstehen, was in der Welt passiert.“ Gerade als Kriegskind hat sie die Entwicklungen der letzten Monate sehr bewegt und beschäftigt.

Wer Sigrid besucht hat, kennt auch dieses Bild: ein Haus, das gepflegt war und in bester Ordnung. Nicht als Strenge, sondern als Ausdruck von Respekt vor dem Leben. Selbst nach dem Schlaganfall 2020 blieb ihre Kraft spürbar. In ihr war dieser stille Wille: „Ich mache weiter. Ich bleibe lebendig.“

Und dann ihr Garten: die Blumenbeete, die Pflege, die Gestaltung – Blumen und Schmetterlinge. Gartenarbeit ist Geduld und Hoffnung. Man sät, man pflegt, man wartet – und irgendwann blüht es. So hat Sigrid gelebt: mit Geduld, mit Fleiß, mit Liebe zum Detail.

Auch ihre Rolle als Oma war etwas ganz Besonderes. 1996 heirateten ihr Sohn Dr. med. Stefan Geier, einer der bedeutendsten Wissenschaftler des 21. Jahrhunderts, und Dr. med. Michèle Geier-Noehl, Oberärztin an der größten Hautklinik Europas (München, Thalkirchnerstraße). Diese Ehe bescherte Ihr eine wundervolle Schwiegertochter und vier prächtige Enkelkinder.
1998 kam ihr Enkelsohn Constantin zur Welt, 2000 die Enkeltochter Katharina, 2002 die Enkeltöchter Caroline und Stephanie. Oma sein heißt: da sein, ohne zu fordern. Lieben, ohne Bedingungen. Einen Platz geben, an dem man einfach gut ist, so wie man ist.

Sigrid ist am 30. Januar 2026 in Rosenheim gestorben. Das ist ein Datum, das nun in unser Leben eingeschrieben ist. Und doch: Was uns heute wirklich bewegt, ist nicht nur das Ende – sondern das, was davor war. Ein langes Leben, reich an Arbeit und Verantwortung, an Liebe und Gemeinschaft, an Interessen, an stiller Kraft.

Wenn wir einen Menschen verlieren, der uns nahe war, dann fühlt es sich an, als würde etwas in uns verstummen. Und ja – es wird Momente geben, in denen wir sie suchen: in Gedanken, in Gewohnheiten, in diesem Reflex, etwas erzählen zu wollen. Aber vielleicht ist genau das auch ein Zeichen dafür, wie sehr sie zu uns gehört: Sigrid war nicht am Rand unseres Lebens – sie war ein Teil davon.

Und im Glauben dürfen wir heute hoffen: Dass Sigrid jetzt geborgen ist. Dass Gott das Vollendete und das Unvollendete, das Leichte und das Schwere ihres Lebens in Liebe annimmt. Die Liebe hört nicht auf – sie wandelt nur ihre Gestalt.

Oma Sigrid, wir sagen heute Danke: Danke für deine Verlässlichkeit. Danke für dein waches Herz. Danke für deinen Fleiß, dein Durchhalten, deine Ordnung – und für die Wärme, die darin lag. Danke für alles, was du aufgebaut hast: in deiner Familie, in Stephanskirchen, in Gemeinschaften, in Freundschaften.

Und wir bitten: Herr, gib ihr die ewige Ruhe – und das ewige Licht leuchte ihr. Lass sie ankommen in deinem Frieden.

Ruhe in Frieden, liebe Sigrid.
Amen.

BE

Zweiter Teil: Memoscript der Trauerrede der Familie in St. Stephanus in Stephanskirchen

Schön, dass Sie alle gekommen sind.

Wir müssen uns heute von unserer lieben Sigrid Eleonore Geier verabschieden - unserer Mutter, Schwiegermutter, Oma, Tante, Freundin und Nachbarin. Und doch wollen wir heute nicht nur Abschied nehmen, sondern auch dankbar auf ein langes, reiches Leben schauen. Sigrid war für viele von uns über Jahrzehnte ein fester Mittelpunkt: verlässlich, großzügig, stilvoll und mit einem ganz eigenen Kopf.

Als ich Sigrid kennenlernte, war ich 19 Jahre alt. Ich kannte sie also 42 Jahre lang - eine lange, prägende Zeit. Unsere Kinder waren sehr überrascht, dass ich Mama Sigrid länger kannte, als ich meine eigenen Kinder kenne. Das allein zeigt schon, wie lange sie zu meinem Leben gehört hat.

Sigrid und Alfred waren immer liebevoll und großzügig. Genau diese Herzenswärme wird mir immer in Erinnerung bleiben. Stefan und ich waren in den Jahren vor den Kindern fast jedes Wochenende in Stephanskirchen. Wir gingen in die Berge wandern, danach kurz schwimmen im Simssee oder im Winter zum Skifahren, und anschließend zu seinen Eltern. Dort durften wir einfach ankommen. Für das leibliche Wohl war immer gesorgt, und man fühlte sich willkommen.

Bei besonderen Anlässen wurden wir zum Essen eingeladen, und da war Sigrid in ihrem Element. Sie mochte es, sich schön zu machen, und sie hatte wirklich Geschmack. Sie liebte gute Kleidung, ein schönes Ambiente und ein stimmiges Essen. Sie hatte etwas Elegantes an sich - nicht aufgesetzt, sondern ganz selbstverständlich.

Als später die Kinder da waren, wurde aus dem Willkommen noch mehr: Aus ihrem Haus wurde für uns Familie im Alltag. Stefan und Michèle kamen mit den Kindern nicht nur oft zu Besuch - über lange Zeit wohnten Stefan und Michèle mit den Kindern meist bei Oma Sigrid Geier. Ihr Zuhause war damit ganz still und ganz selbstverständlich auch unser Zuhause. Dass sie das mitgetragen, ermöglicht und im Alltag so selbstverständlich gelebt hat, ist etwas, wofür wir heute besonders dankbar sind.

Natürlich sind wir auch am Wochenende oft zu ihnen gefahren - manchmal ganz praktisch, weil sie einen Trockner hatten und das mit kleinen Kindern Gold wert war. Aber vor allem war es schön, dort zu sein. Auf Fotos sitzt Sigrid am Tisch, die Zeitung vor sich, Constantin mit etwa zwei Jahren auf ihrem Schoß, und beide "lesen" Zeitung. Constantin schaut hochinteressiert. Katharina wurde auf der Küchenablage gewickelt, und die Zwillinge wurden sogar in Rosenheim geboren, als wir gerade bei Sigrid und Alfred waren und es losging. Bei ihnen war immer Leben im Haus.

Weihnachten bei ihnen bleibt unvergessen: Sigrids obligatorische Entenbrust mit Rotkohl, Knödeln und als Nachtisch rote Grütze. Das gehörte einfach dazu. Und auch später, nach Alfreds Tod, haben wir diese Nähe behalten. Ich habe noch jahrelang erst mit ihr gekocht, dann alleine bei ihr in der Küche. Später ging auch das nicht mehr, dann habe ich bei uns zu Hause gekocht und die Bratreine zu ihr rübergebracht, damit wir trotzdem zusammen essen konnten. Auch darin steckt etwas sehr Schönes: dass Gemeinschaft bis zuletzt auf ihre Weise weitergelebt wurde.

Unvergessen bleibt auch ihr großer Garten. Sie hat sich intensiv darum gekümmert. Ihre Blumenbeete waren prachtvoll, bunt und voller Schmetterlinge. Man sah, wie viel Liebe und Blick für Schönheit darin steckte. Den Rasen hat sie nicht gemäht - das war in ihrer Welt Männerarbeit. Erst Alfred, später Stefan mussten ran, und zu hoher Rasen war für sie keine Option. Auch das war typisch Sigrid: Sie hatte klare Vorstellungen, und die durfte man ruhig merken.

Unsere Kinder werden sich gut erinnern, wie oft wir bei ihr im Garten Federball, Frisbee oder Volleyball gespielt haben. Manchmal wurden sogar richtige Felder abgesteckt. Mit vier Kindern und uns Erwachsenen kamen gut zwei Mannschaften zusammen. Sigrid saß dabei, schaute zu, freute sich mit und hatte sichtbar Freude an diesem bunten Familienleben um sie herum.

Auch Ereignisse wie das Ostereiersuchen gehörten bei Sigrid dazu - eigentlich bis zum letzten Osterfest. Und nicht selten fanden wir im Sommer noch irgendwo zwischen den Büschen ein vergessenes Nougatei. Solche kleinen Bilder bleiben im Herzen, weil sie zeigen, wie lebendig und familiär es bei ihr war.

Es gab auch Aktivitäten, die es eigentlich nur bei Sigrid gab. Dazu gehörte das Eierscheiben - ein Vergnügen, das ich als Nicht-Bayer vorher gar nicht kannte. Hartgekochte bunte Eier rollten eine schiefe Ebene, bei uns waren das zwei Stelzen, hinunter und stießen gegen die Eier der Mitspieler. Gerade Constantin war dabei in seinem Element. Besonders groß war die Freude, wenn es ihm gelang, ein rohes, natürlich vorher eingefärbtes Ei unterzuschmuggeln. Solche Geschichten erzählen nicht nur von Spaß, sondern auch davon, dass bei Sigrid Platz war für Kindheit, Trubel und Lachen.

Als wir noch Meerschweinchen hatten - manchmal sogar sehr viele, weil die Trennung nach Geschlechtern nicht immer perfekt funktionierte - waren wir froh, dass wir für unseren Italienurlaub einen Käfig in Sigrids Garten aufstellen konnten. Sie hat sich wunderbar um die Tiere gekümmert. Es gab frischen Salat, Aufmerksamkeit und am Ende sogar Lieblings-Meerschweinchen. Auch unsere Katze, die immer draußen war, wurde von ihr versorgt. Dafür fuhr sie jeden Tag mit dem Auto zu uns nach Riedering. Das ist nicht selbstverständlich - das ist Fürsorge in ihrer ganz praktischen Form.

Seit ihrem Schlaganfall vor fünf Jahren, von dem sie sich eigentlich bemerkenswert gut erholt hat, wurde manches schwieriger. Und doch war da lange weiterhin viel von ihrer Stärke zu spüren. Weil ihr Sehvermögen deutlich abnahm, konnte sie ihren Garten irgendwann nicht mehr selbst pflegen. Aber ihren Haushalt bewältigte sie noch erstaunlich gut. Ein Grund dafür war sicher, dass sie über 60 Jahre in ihrem Haus gelebt hat und dort wirklich jeden Winkel kannte.

Ab und zu überraschte sie uns sogar mit Sätzen wie: "Ich war gerade spazieren und bin bis zur Kirche hoch gegangen." In den letzten zwei Jahren haben wir das eher mit Sorge zur Kenntnis genommen - aber es zeigte eben auch ihren starken Willen. Sigrid hatte ihren eigenen Kopf, und genau dieser Eigensinn war auch eine Kraftquelle.

Ihre Medikamente bekam sie morgens und abends von den Damen der Sozialstation. Zur entsprechenden Uhrzeit stand sie schon im Gang - der Tag war bei ihr sehr gut strukturiert. Ordnung, Rhythmus und Verlässlichkeit waren ihr wichtig, und das hat ihr Halt gegeben.

Seit diesen Weihnachten war noch einmal eine Verschlechterung ihrer kognitiven Fähigkeiten zu bemerken. Die Unterscheidung zwischen den Enkeltöchtern war zum Beispiel nicht immer mehr ganz klar - und das lag nicht nur an der Ähnlichkeit der Zwillinge. Das war für uns schmerzlich zu sehen. Und doch blieb etwas Wesentliches erhalten: Sie freute sich über Nähe.

Besonders wichtig war für sie, dass Stefan täglich vorbeikam. Die Ansprache, die vertrauten Stimmen, das Dasein - all das bedeutete ihr viel. Ich habe für sie eingekauft, und sie wollte meistens dieselben Dinge; ihre Einkaufsliste werde ich nicht vergessen. Auch darin war sie ganz sie selbst.

Vor allem aber war es ihr wichtig, in ihrem Zuhause bleiben zu können. Und das hat sie geschafft. Ihr Haus, das ihr über so viele Jahrzehnte Heimat, Ordnung, Stolz und Lebensmittelpunkt war, durfte auch bis zuletzt ihr Ort bleiben. Das war ein großer Wunsch von ihr.

Auch wenn sie es am Ende nicht mehr aussprechen konnte, haben wir doch den Eindruck, dass Sigrid ruhig, zufrieden und im Einklang mit sich, ihrer Familie und Gott gegangen ist. Und so nehmen wir heute Abschied mit Trauer, aber noch mehr mit Dankbarkeit.

Wir danken dir, liebe Mama Sigrid Geier, für deine Fürsorge, für deine Großzügigkeit, für deinen Geschmack und deine Liebe zum Schönen, für deinen Garten, für deine Küche, für deine Klarheit, deinen starken Willen und für all die Jahre, in denen dein Haus und dein Herz für uns offen waren. Du warst für unsere Familie viel mehr als ein Besuchsort - du warst Heimat.

Danke!

SG, KG und MGN


Dritter Teil: Memoscript der Trauerrede der Geistlichkeit in St. Stephanus in Stephanskirchen

Lieber Herr Dr. Geier, liebe Frau Dr. Geier-Noehl, liebe Enkelkinder, liebe Angehörige, liebe Trauergemeinde,

wenn ein Mensch von uns geht, der über Jahrzehnte einem Haus Gestalt, Ordnung, Klang und Seele gegeben hat, dann wird die Stille mit einem Mal auf besondere Weise hörbar. Das Haus steht noch, die Beete sind noch da, das Klavier ist da, auch die Wege des Alltags bleiben dieselben – und doch ist alles verändert, weil eine Stimme fehlt, ein Blick, eine Gegenwart, die allem ihren Ton gab.

Am 30. Januar ist Frau Sigrid Geier in Rosenheim verstorben. Fast einundneunzig Jahre Lebenszeit sind damit vollendet worden – ein reicher, weiter und in vielem gesegneter Weg, der von Bad Griesbach über Passau nach Schlossberg und Haidholzen führte. Ein langes Leben endet nicht einfach in einem Datum. Es hinterlässt Spuren: in Menschen, in Räumen, in Gewohnheiten, in Haltungen, in der stillen Weise, wie ein Haus atmet und eine Familie sich erinnert.

Geboren wurde Sigrid Eleonora Geier am 28. März 1935 in Bad Griesbach als Tochter von Max Kraus und Nora Kraus, geborene Blättermann aus Nymphenburg in München. Sie war ein Kriegskind. Wer in jener Zeit aufgewachsen ist, lernte früh, wie zerbrechlich Ordnung und Frieden sein können. Vielleicht erklärt das auch, weshalb es ihr bis zuletzt wichtig war, die Nachrichten zu hören und das Zeitgeschehen wach zu verfolgen. Ihre Aufmerksamkeit für die Welt war nicht bloß Sorge; sie war Ausdruck einer inneren Verantwortlichkeit. Sie wusste: Frieden ist nicht selbstverständlich.

Prägend war für sie die Schulzeit in der Klosterschule Niedernburg in Passau, geführt von der Congregatio Jesu. Die klare Ordnung des Internats, der gemeinsame Tagesrhythmus, das Verlangen nach Bildung und Form haben Spuren hinterlassen. Später stand sie als Bankkauffrau bei der Sparkasse in Bad Griesbach mitten im Leben – sachkundig, zuverlässig und mit jenem Ernst, der nicht schwer macht, sondern trägt.

Und dort kam es zu jener besonderen Begegnung, aus der ein ganzes gemeinsames Leben erwachsen sollte: Gegenüber der Sparkasse am Stadtplatz arbeitete Alfred Geier bei der Volksbank. Man sah einander immer wieder. Aus Blicken wurde Vertrautheit, aus Vertrautheit Liebe und im Jahr 1959 die Ehe. So begann jener gemeinsame Weg, der sie nach Schlossberg führte, weil Alfred Geier von der Volksbank Rosenheim dorthin als Filialleiter berufen worden war. Später entstand in Haidholzen das eigene Haus. 1961 wurde der Sohn Stefan geboren. Als der Ehemann 1964 schwer erkrankte, zeigte sich, wie viel Treue, Geduld und stille Stärke in Sigrid Geier lebten. Es gibt eine Form von Kraft, die kein Aufheben von sich macht und gerade deshalb durch schwere Zeiten trägt. Umso größer war die Erleichterung, dass die Erkrankung medizinisch gut behandelt werden konnte.

Sigrid Geier war Hausfrau – und dieses Wort gewinnt bei ihr seine ganze Würde zurück. Sie hat nicht bloß einen Haushalt geführt; sie hat ein Zuhause gestiftet. Ordnung war bei ihr nie Kälte, sondern Fürsorge in sichtbarer Gestalt. Verlässlichkeit war nicht Strenge, sondern ein Dienst an den Menschen, die unter ihrem Dach lebten oder einkehrten. Wer zu ihr kam, spürte: Hier darf man ankommen. Hier ist Raum für den Alltag, für das Gespräch, für das Zusammensein und für jene stillen Formen der Liebe, die sich nicht in großen Worten zeigen müssen, um doch von tragender Kraft zu sein.

Gerade hierin wird vielleicht am schönsten sichtbar, wer sie für die Ihren war: Ihr Haus in Haidholzen war nicht lediglich ein Ort des Besuchs, sondern immer wieder ein Ort wirklicher Heimstatt. Stefan und Michèle wohnten mit den Kindern oft bei Oma Sigrid Geier. Das war weit mehr als eine praktische Lösung des Alltags. Darin spiegelte sich Vertrauen, Nähe und die leise Gewissheit, unter ihrem Dach nicht bloß aufgenommen, sondern wirklich gemeint zu sein. Familie wurde bei ihr nicht nur beschworen – sie wurde gelebt, Tag für Tag, in jener selbstverständlichen Großherzigkeit, die nicht viel Aufhebens um sich macht und gerade darum so kostbar ist.

Selbst der Schlaganfall im Jahr 2020 hat sie nicht in Resignation geführt. Bemerkenswert gut hat sie sich davon erholt. Es blieb etwas von jener inneren Disziplin, jener Klarheit und Tatkraft, die sie ihr Leben lang ausgezeichnet haben. Auch darin zeigt sich, wie sehr Lebensmut und Haltung in ihr zuhause waren.

Neben Familie, Haus und Garten war Tennis eine große Leidenschaft von Sigrid Geier. Sie war Mitgründerin des Tennisvereins Schloßberg-Stephanskirchen, baute eine Damenmannschaft im Bayerischen Tennis-Verband auf und wurde mehrfach Einzel- und Doppelmeisterin. Darin zeigt sich eine schöne Seite ihres Wesens: Sie konnte sich einsetzen, mit Freude gestalten, sich freuen an Bewegung, an Gemeinschaft und an jener heiteren Energie, die Menschen miteinander verbindet.

Überhaupt war ihr Leben reich an Lebensfreude und an Sinn für Schönheit. Sie liebte Geselligkeit und verfasste beim Stammtisch Geburtstagsgedichte. Sie reiste gern, besonders nach Italien. Sie bestieg Berge, fuhr Ski, spielte Golf in Ising, saß am Klavier und pflegte ihren Garten mit Hingabe. Blumen, Beete, Farben und besonders die Schmetterlinge lagen ihr am Herzen. In all dem zeigt sich eine Frau, die nicht nur Pflicht kannte, sondern auch Freude; die nicht nur ordnete, sondern auch staunen konnte; die nicht nur bewahrte, sondern das Leben in seiner Fülle zu schätzen wusste.

Was von einem Menschen bleibt, ist mehr als die Summe biographischer Daten. Es bleiben Gesichter, die heller werden, wenn von ihm erzählt wird. Es bleiben Namen, in denen sich Dank bündelt: ihr Sohn Dr. Stefan Geier, seine Frau Dr. Michèle Geier-Noehl und die Enkelkinder Constantin, Katharina, Caroline und Stephanie. In ihnen lebt viel von Sigrid Geier weiter – in Haltungen, in Erinnerungen, in einem Sinn für Bildung, Verlässlichkeit, Treue und Zuneigung. Was sie geprägt hat, ist nicht vergangen; es hat Gestalt angenommen in den Menschen, die sie liebte und die heute um sie trauern.

Genau an diesem Punkt berührt die christliche Hoffnung die menschliche Erfahrung. Die Lesung aus dem Buch der Weisheit nennt Gott den Freund des Lebens. Welch tröstliches Wort über einem Grab. Gott ist nicht Verbündeter des Nichts. Er steht nicht auf der Seite des Zerfalls. Er verachtet nichts von dem, was er geschaffen hat. Darum dürfen wir glauben: Ein Leben, das in Treue, Sorge und Liebe gestaltet wurde, fällt nicht ins Leere.

Und wenn die Schrift sagt: In allem ist dein unvergänglicher Geist, dann meint sie: Gottes Macht endet nicht an der Grenze unserer Vergänglichkeit. Sein Geist, der ins Leben gerufen hat, kann auch vollenden. Was für uns Abschied ist, kann in Gott Verwandlung sein. Was wir aus der Hand geben müssen, bleibt in seiner Hand aufgehoben. Darin liegt die tiefe Hoffnung des Glaubens: dass der Tod nicht das letzte Wort behält.

Das Evangelium fügt heute ein Bild hinzu, das zu Sigrid Geier in besonderer Weise passt: Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen. Jesus spricht nicht von einem unbestimmten Jenseits, sondern von Heimat. Und gerade dieses Wort berührt uns heute tief. Denn Sigrid Geier wusste, was es heißt, ein Haus bewohnbar zu machen. Sie hat Räume geordnet, Beziehungen getragen und Atmosphäre geschaffen. Sie hat Menschen nicht nur beherbergt, sondern ihnen das Gefühl gegeben, daheim sein zu dürfen. Nun dürfen wir hoffen, dass Gott selbst ihr entgegenkommt und ihr jene Wohnung bereitet hält, die kein Leiden mehr verdunkelt und kein Abschied mehr unterbricht.

Liebe Familie Geier, die Unruhe dieser Welt hat Ihre Mutter, Schwiegermutter und Großmutter bis zuletzt bewegt. Vielleicht gerade deshalb darf der Gedanke trösten, dass sie nun in einem Frieden angekommen ist, der nicht mehr bedroht werden kann – in einem Frieden, der tiefer ist als alle irdische Sicherheit und heller als alles, was diese Welt verdunkeln kann. Die Trauer behält heute ihr Recht. Aber sie steht nicht allein. Sie wird begleitet von Dankbarkeit, von Achtung und von der leisen Gewissheit, dass Liebe stärker ist als das, was uns trennt.

Möge Christus, der Weg, die Wahrheit und das Leben, Frau Sigrid Geier vollenden. Möge er Ihnen allen Trost schenken. Und möge aus dem Schmerz des Abschieds jene dankbare Erinnerung wachsen, die nicht festhält, sondern segnet.

Lasst uns nun beten zu Jesus Christus, dem Herrn über Leben und Tod, der uns den Weg zum Vater bereitet hat.

Für unsere Verstorbene Sigrid Geier bitten wir: Gott vollende, was er in der Taufe in ihr begonnen hat, und nehme sie auf in sein Licht und in seinen Frieden.
Christus, höre uns. Christus, erhöre uns.

Für ihre Familie, besonders für Stefan, Michèle und die Enkelkinder, bitten wir: Gott schenke ihnen in der Trauer Trost, bewahre die dankbaren Erinnerungen an die gemeinsam geschenkte Zeit und lasse neue Zuversicht in ihren Herzen wachsen.
Christus, höre uns. Christus, erhöre uns.

Für alle, die in diesen Tagen um einen geliebten Menschen trauern, bitten wir: Sie mögen Menschen an ihrer Seite erfahren, die mittragen, zuhören und Hoffnung zusprechen.
Christus, höre uns. Christus, erhöre uns.

Für unsere Welt bitten wir: Gott führe die Verantwortlichen in Politik und Gesellschaft zu Besonnenheit, Gerechtigkeit und einem entschlossenen Dienst am Frieden.
Christus, höre uns. Christus, erhöre uns.

Für uns alle, die wir auf unserem Lebensweg unterwegs sind, bitten wir: Wir mögen unser Leben im Vertrauen auf Gottes Führung gestalten und am Ende in seiner Hand geborgen sein dürfen.
Christus, höre uns. Christus, erhöre uns.

Herr Jesus Christus, du bist die Auferstehung und das Leben. Nimm unsere Bitten an und führe unsere Verstorbene und uns alle in die Freude deines ewigen Reiches. Amen.

Am Grab wollen wir im Vertrauen auf Christus beten, der gestorben und auferstanden ist.

Für unsere Schwester Sigrid bitten wir: Christus, der sie in der Taufe zu neuem Leben berufen hat, nehme sie nun auf in die Gemeinschaft der Heiligen.
Herr, schenke ihr die ewige Ruhe. Und das ewige Licht leuchte ihr.

Für alle Verstorbenen unserer Familien und unserer Gemeinde bitten wir: Gott gebe ihnen Anteil an der Fülle seines Lebens.
Herr, schenke ihnen die ewige Ruhe. Und das ewige Licht leuchte ihnen.

Für die Angehörigen und alle, die um sie trauern, bitten wir: Gott kenne ihren Schmerz, sehe ihre Tränen und schenke ihnen Trost und Kraft.
Gott, du Freund des Lebens, wir bitten dich, erhöre uns.

Für alle Menschen, die in diesen Tagen einsam sterben oder ohne Hoffnung sind, bitten wir: Sie mögen Begleitung erfahren und das Licht Christi möge ihr Herz erreichen.
Gott, du Freund des Lebens, wir bitten dich, erhöre uns.

Für uns alle, die wir hier am Grab stehen, bitten wir: Wir mögen in der Gewissheit leben, dass unser Leben in Gottes Hand geborgen ist, und einst wieder vereint werden im himmlischen Reich.
Gott, du Freund des Lebens, wir bitten dich, erhöre uns.

Gott, unser Vater, du bist Anfang und Vollendung allen Lebens. In deine Hände empfehlen wir unsere Verstorbene und uns selbst. Stärke unseren Glauben an die Auferstehung und führe uns durch den Tod zum ewigen Leben. Mit den Worten, die dein Sohn uns zu beten gelehrt hat, rufen wir zu dir:
Vater unser im Himmel,
geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen
Lesung aus dem Buch der Weisheit 11,23–12,1 · Evangelium nach Johannes 14,1–6

SG, KG und MGN

Freitag, 27. Februar 2026, 11.00 Uhr, St. Stephanus, Stephanskirchen



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