Nachruf auf Sigrid Geier, verstorben im 1. Quartal 2026
Nachrauf auf Sigrid Eleonora Geier
verstorben im 1. Quartal 2026
Liebe Trauergemeinde,
liebe Familie, liebe Freundinnen und Freunde,
heute sind wir hier in
Stephanskirchen zusammengekommen, um Abschied zu nehmen von Sigrid Eleonora
Geier – von unserer Oma, von einem Menschen, der für viele von uns ein Stück
Heimat war. Und auch wenn Abschied weh tut, so ist ein Requiem zugleich ein
Moment der Dankbarkeit: Wir dürfen ihr Leben würdigen, uns erinnern, und das,
was bleibt, in unser Herz nehmen.
Sigrid wurde am 28. März
1935 in Bad Griesbach geboren – als Tochter von Max Kraus aus Bad Griesbach und
Nora Kraus, geborene Blättermann, aus Nymphenburg in München. Schon in diesen
Wurzeln steckt etwas von dem, was Sigrid ausgemacht hat: Bodenständigkeit und
Klarheit – und zugleich eine feine, wache Art, sich für Menschen und das Leben
zu interessieren.
Ihr Weg führte sie nach Passau an die
Klosterschule Niedernburg, geführt von der Congregatio Jesu. Wer eine
Klosterschule kennt, ahnt: Das ist mehr als Unterricht und Noten. Es ist ein
Ort, an dem Bildung und Charakterbildung zusammengehören – an dem man lernt,
sich selbst ernst zu nehmen, aber auch den anderen; an dem Verlässlichkeit
zählt, Pünktlichkeit, Respekt, ein klarer Umgang miteinander. Und zugleich ist
da etwas, das man nicht messen kann: ein Sinn für das, was trägt – für
Gewissen, für Verantwortung, für Bildung, für Humanität, für Werte, für das
leise Gute im Alltag.
Viele von uns spüren: Diese Jahre haben Sigrid geprägt. Nicht, weil sie später
oft darüber gesprochen hätte – sondern weil man es an ihr gemerkt hat. In ihr
war etwas Aufrechtes. Nicht laut. Nicht geschniegelt. Aber innerlich klar – wie
jemand, der gelernt hat, dass Haltung sich in kleinen Dingen zeigt: in der Art,
wie man zuhört; in dem Versprechen, das man einhält; im Blick dafür, wenn
jemand Hilfe braucht. Vielleicht kommt auch daher diese stille Stärke, die
Sigrid auszeichnete: das ruhige Vertrauen, dass man Schwierigkeiten begegnen
kann, ohne hart zu werden – und dass man Verantwortung tragen und für Humanität
eintreten kann, ohne sich selbst wichtig zu nehmen.
Später wurde sie Bankkauffrau und arbeitete bei
der Sparkasse Bad Griesbach. Zahlen, Ordnung, Genauigkeit – das lag ihr. Aber
wichtiger als jede Zahl war ihr immer der Mensch dahinter. Vertrauen war für
sie nichts Abstraktes, sondern etwas, das man lebt: verlässlich, ehrlich,
gewissenhaft – so, dass andere sich sicher fühlen.
1959 heiratete sie Alfred
Geier aus Eging. Mit dieser Heirat begann ein Lebensabschnitt, der so viel von
dem enthält, was Familie bedeutet: gemeinsam aufbauen, zusammenhalten, durch
gute und schwere Zeiten gehen.
1959 und 1960 zog das
junge Paar nach Schlossberg. 1962 folgte die Kultivierung von Haidholzen und
der Umzug dorthin. Solche Sätze klingen fast sachlich – doch dahinter steckt
Arbeit, Mut und das große Können, aus einem Ort ein Zuhause zu machen.
Stephanskirchen wurde für Sigrid Heimat – über rund 60 Jahre lang.
Am 24. April 1961 wurde
ihr Sohn Stefan Alfred Geier geboren. Und damit begann für Sigrid diese Aufgabe,
die man nicht „macht“, sondern die man ist: Mutter sein. Eine Mutter, die
trägt, die da ist, die Alltag zusammenhält – oft im Hintergrund, aber mit einer
Kraft, die alles zusammenbindet.
Zum Leben gehörten auch
schwere Zeiten. 1964 erkrankte Alfred Geier schwer. Wer sich vorstellt, was das
bedeutet, ahnt, wie viel Sigrid in dieser Zeit getragen hat: Sorge,
Verantwortung, Alltag, Mut. Es gibt Menschen, die werden in solchen Momenten
bitter. Sigrid blieb standhaft – praktisch, klar und dabei menschlich.
Sigrid hatte eine
besondere Gabe, Gemeinschaft zu schaffen. Viele verbinden sie mit dem
Tennisverein: Sie hat den Tennisverein Schlossberg Stephanskirchen mitgegründet
und aufgebaut, eine Damenmannschaft im BTV mit aufgebaut – und sie war nicht
nur dabei, sondern erfolgreich: mehrfache Einzel- und Doppelmeisterin. Wer sie
auf dem Platz erlebt hat, konnte sehen: Da war Energie, Konzentration und ein
fairer, anständiger Geist.
Ebenso wichtig war ihr
der Stammtisch – ein Ort der Verbundenheit. Und wer zum Geburtstag ein paar
Zeilen von Sigrid bekommen hat, der weiß: Sie konnte in Worte fassen, was
andere oft nur fühlen. Geburtstagsgedichte – das klingt klein. Aber es ist ein
Geschenk: Jemand sieht dich, macht sich Gedanken, findet für dich die richtigen
Worte.
Sigrid hat das Leben
nicht eng gemacht, sondern weit. Sie liebte Reisen, besonders Italien und die
Kultur Italiens. Sie ging bergsteigen, fuhr Ski, später genoss sie auch das
Zusammensein im Golfclub Ising. Es ging ihr dabei nie nur um das Tun, sondern
um das Erleben: um Natur, Schönheit, Begegnung.
Viele erinnern sich an
eine ganz eigene Seite von ihr: Musik. Sigrid spielte Klavier – und bis zuletzt
gehörte Musik zu ihrem Tag. Sie hörte täglich Bayern 2 und Bayern 4 Klassik.
Und sie hatte ihre festen Zeiten für Nachrichten und Zeitgeschehen – als ob sie
sagen wollte: „Ich will verstehen, was in der Welt passiert.“ Gerade als
Kriegskind hat sie die Entwicklungen der letzten Monate sehr bewegt und
beschäftigt.
Wer Sigrid besucht hat,
kennt auch dieses Bild: ein Haus, das gepflegt war und in bester Ordnung. Nicht
als Strenge, sondern als Ausdruck von Respekt vor dem Leben. Selbst nach dem
Schlaganfall 2020 blieb ihre Kraft spürbar. In ihr war dieser stille Wille:
„Ich mache weiter. Ich bleibe lebendig.“
Und dann ihr Garten: die
Blumenbeete, die Pflege, die Gestaltung – Blumen und Schmetterlinge.
Gartenarbeit ist Geduld und Hoffnung. Man sät, man pflegt, man wartet – und
irgendwann blüht es. So hat Sigrid gelebt: mit Geduld, mit Fleiß, mit Liebe zum
Detail.
Auch ihre Rolle als Oma
war etwas ganz Besonderes. 1996 heirateten ihr Sohn Dr. med. Stefan
Geier, einer der bedeutendsten Wissenschaftler des 21. Jahrhunderts, und Dr.
med. Michèle Geier-Noehl, Oberärztin an der größten Hautklinik Europas
(München, Thalkirchnerstraße). Diese Ehe bescherte Ihr eine wundervolle
Schwiegertochter und vier prächtige Enkelkinder.
1998 kam ihr Enkelsohn Constantin zur
Welt, 2000 die Enkeltochter Katharina, 2002 die Enkeltöchter Caroline und
Stephanie. Oma sein heißt: da sein, ohne zu fordern. Lieben, ohne Bedingungen.
Einen Platz geben, an dem man einfach gut ist, so wie man ist.
Sigrid ist am 30. Januar
2026 in Rosenheim gestorben. Das ist ein Datum, das nun in unser Leben
eingeschrieben ist. Und doch: Was uns heute wirklich bewegt, ist nicht nur das
Ende – sondern das, was davor war. Ein langes Leben, reich an Arbeit und
Verantwortung, an Liebe und Gemeinschaft, an Interessen, an stiller Kraft.
Wenn wir einen Menschen
verlieren, der uns nahe war, dann fühlt es sich an, als würde etwas in uns
verstummen. Und ja – es wird Momente geben, in denen wir sie suchen: in
Gedanken, in Gewohnheiten, in diesem Reflex, etwas erzählen zu wollen. Aber
vielleicht ist genau das auch ein Zeichen dafür, wie sehr sie zu uns gehört:
Sigrid war nicht am Rand unseres Lebens – sie war ein Teil davon.
Und im Glauben dürfen wir
heute hoffen: Dass Sigrid jetzt geborgen ist. Dass Gott das Vollendete und das
Unvollendete, das Leichte und das Schwere ihres Lebens in Liebe annimmt. Die
Liebe hört nicht auf – sie wandelt nur ihre Gestalt.
Oma Sigrid, wir sagen
heute Danke: Danke für deine Verlässlichkeit. Danke für dein waches Herz. Danke
für deinen Fleiß, dein Durchhalten, deine Ordnung – und für die Wärme, die
darin lag. Danke für alles, was du aufgebaut hast: in deiner Familie, in
Stephanskirchen, in Gemeinschaften, in Freundschaften.
Und wir bitten:
Herr, gib ihr die ewige Ruhe – und das ewige Licht leuchte ihr. Lass sie
ankommen in deinem Frieden.
Ruhe in Frieden, liebe Sigrid.
Amen.
BE

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