Trauer-Tischrede für Sigrid Eleonora Geier R.I.P., 27.II.2026
Trauer-Tischrede für Sigrid Eleonora Geier R.I.P., 27.II.2026
Liebe Familie, hohe Geistlichkeit, liebe Freundinnen und Freunde, sehr geehrte Trauergemeinde,
wie gut, dass wir jetzt hier zusammen sind. Ein christlich getragener Abschied
endet nicht am Friedhof. Er geht weiter am Tisch: mit Nähe, Wärme und dem Mut,
wieder zu atmen.
Und ich bin sicher: Sigrid Eleonora Geier hätte diesen Teil des Tages
gemocht. Nicht, weil sie Trauer kleinreden wollte - sondern weil sie wusste:
Wenn Menschen zusammenkommen, wird es leichter. Und wenn dann noch etwas Gutes
auf dem Tisch steht, erst recht.
Sigrid hatte ein Talent für Gastfreundschaft. Bei ihr musste niemand lange
erklären, dass er noch ein Stück Kuchen schafft - sie hatte längst entschieden,
dass es sehr gut möglich ist. Und wer mit kleinen Kindern unterwegs war,
erinnert sich an das kleine Wunder im Haushalt: ihren Trockner. Man brachte
nasse Wäsche hin - und bekam trockene Socken und ein bisschen Hoffnung und
interessante und angenehme Geschichten zurück.
Ordnung lebte sie nicht als Strenge, sondern als Zuneigung: "Ich
schaue, dass es gut ist." Garten, Schmetterlinge und Blumenbeete - alles
hatte seinen Platz. Und der Rasen blieb, sehr klug organisiert, Männersache.
Sigrid konnte Aufgaben verteilen, ohne eine Sitzung einzuberufen: Ein freundlicher
und liebevoller Blick genügte.
Ich denke gern an das Bild: Sigrid am Tisch mit der Zeitung - und ein Enkel
auf dem Schoß, sehr ernst, als würde er gerade einen Leitartikel verfassen.
Diese Ruhe, dieses Dabeisein - das war unsere liebe Sigrid.
Ostern bei ihr war ein wertvolles Familienritual: erst die Ostereier
suchen, manchmal wurde mehrfach versteckt, weile es viel Spaß machte, Osterbrot
essen, und mittags die Übertragung der Ostermesse mit de Päpstlichen Segen „Urbi
et Orbi“ von Radio Vatikan anhören. Später - manchmal Monate danach - fand man
noch ein Schokoladen-Oster-Ei im Gebüsch. Als hätte sie sagen wollen: Der Segen
darf ruhig nachwirken. Beim Eierschieben gab es dann zwei Gebete: Das der
Kinder, dass das eigene Ei gewinnt - und das der Erwachsenen, dass bitte
wirklich alle Eier hartgekocht sind.
Heute tut es weh, dass sie nicht mehr unter uns sitzt. Aber wir dürfen
dankbar sein: für ihre Wärme, ihre Verlässlichkeit und ihren leisen Humor.
Du hast mit Herz und Hand gebaut,
mit Ordnung, der man gern vertraut.
Du gabst uns Tisch und Zeit und Licht:
Vergessen, Mutter, werden wir dich nicht.
Herr, gib ihr die ewige Ruhe,
und das ewige Licht leuchte ihr.
Lass sie ruhen in Frieden. Amen.
Und nun lasst uns miteinander essen, erzählen, einander
zuhören. Wenn uns dabei ein leises Lächeln kommt, ist das keine Unhöflichkeit
gegenüber der Trauer - es ist Liebe, die sichtbar wird.
Ultima salve!
Auf Sigrid.
StG, Stephanskirchen, 27.02.2023

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